- Gebundene Ausgabe: 656 Seiten
- Verlag: Heyne Verlag (12. März 2018)
- Übersetzer: Sabine Lohmann, Peter Pfaffinger
- ISBN-10: 3453271688
- ISBN-13: 978-3453271685
- Originaltitel: The Last Hours
- Genre: Historischer Roman
Heyne Kurzbeschreibung:
Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, nimmt das Heft in die Hand. Sie bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit und lässt die Zugangsbrücke verbrennen. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die anderen. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber klügsten ihrer Diener. Doch kann sich die Schicksalsgemeinschaft gegen die schreckliche Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die kargen Vorräte reichen? Dann geschieht ein grausamer Mord und droht Lady Annes Gemeinschaft endgültig zu zerreißen ...
Meine Bewertung: schwache * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Minette Walters ist eine bekannte Krimiautorin. Nun hat sie sich an einem richtigen Wälzer, einem historischen Roman, versucht. Für mich war es generell mein allererstes Buch der Autorin.
Wir befinden uns im 14. Jahrhundert in Südengland: Die Pest hat auf die britische Insel übergegriffen. Innerhalb kurzer Zeit rottet die Krankheit Dörfer und Landstriche aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Lady Anne's Ehemann, Sir Richard, auf dem Weg zum zukünftigen Ehemann seiner Tochter Eleanor. Dieser soll erkrankt sein und der Herr von Develish möchte diesem Gerücht auf den Grund gehen, bevor die Hochzeit fixiert wird. Er erkennt nicht, wie groß das Ausmaß der Krankheit bereits ist, die nicht nur Eleonores schwächlichen Verlobten bereits erfasst hat. Nur Lady Annes Vertrauter Gyles Startout durchschaut, was seinem Herren verheimlicht werden soll und er bittet Sir Richard frühzeitig aufzubrechen. Doch der Mann ist ein eingebildeter und grausamer Herrscher, noch dazu nicht sehr helle. So stirbt der Großteil seines Gefolges den schwarzen Tod und bringt die Krankheit bis vor die Tore von Develish. Lady Anne ist jedoch für ihre Heilkunst angesehen und ergreift für diese Zeit eine völlig ungewöhnliche Maßnahme. Sie schließt die Tore, verbrennt die Zugbrücke und verhängt somit eine Quarantäne über ihr Volk. Auch die wenigen Rückkehrer, ihren Mann eingeschlossen, verweigert sie den Zutritt. Sie setzt den alten Verwalter ihres Mannes ab und setzt stattdessen Thaddeus ein, einen Bastard, der jedoch ein äußert kluger Kopf ist. Das versetzt einige Bewohner des Dorfes in Aufregung und bald darauf geschieht ein Mord...
Die für diese Zeit sehr ungewöhnliche Rolle einer Frau lässt mich etwas zwiespältig zurück. Auch wenn Lady Anne adelig und die Ehefrau des Gutsherren Sir Richards ist, handelt sie nicht ihrer Zeit gemäß. Und kein Mann hätte sich von ihr etwas Vorschreiben lassen.
Hygiene und Sauberkeit waren zu dieser Zeit- ja sogar bis ans Ende des 19. Jahrhundert - etwas völlig Unbekanntes! Lady Anne hat in Develish allerdings schon zu dieser Zeit einige Maßnahmen dazu ergriffen. Außerdem lernt sie dem Großteil ihrer Dienerschaft Lesen und Schreiben, wo im 14. Jahrhundert nur Mönchen und Priestern dieses Wissen zuteil wurde. Hier kann ich gegebenenfalls ein Auge zudrücken, da sie selbst in einem Kloster erzogen wurde....
Die Charaktere sind sehr schwarz-weiß gemalt. Die machthabenen Herren sind allesamt dumm und richtig üble Burschen. Ihr eigener Ehemann ist ein Abziehbild dieser Gattung. Ihm ebnen Macht und Gier, sowie Grausamkeiten den Weg. Die einzige grausame weibliche Ausnahme ist Eleonor, seine Tochter, die komplett nach ihrem Vater kommt. Sie brachte es fertig mich die fast 700 Seiten nur zu verärgern. Diese furchtbar dumme und hartherzige junge Frau liebt es Grausamkeiten an ihren Untergebenen auszuprobieren. Dabei nutzt sie ihre Schönheit und ihren Stand schamlos aus und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Ich hasste sie aus tiefstem Herzen.
Lady Anne hingegen kommt fast einer Heiligen gleich, die sich für ihre Dienerschaft einsetzt und zu einer wahren Ikone wird. Ihr gelingt es das Vertrauen ihrer Untertanen zu erlangen, jedoch nicht das ihrer Tochter. Lady Anne wurde von der Autorin viel zu modern und neuzeitlich für diese Epoche erschaffen.
Weitere Helden - und diesmal aus der männlichen Liga, sind der gut gebaute und intelligente Leibeigene Thaddeus. Tja, klischeehafter geht es kaum mehr.... Er wird dank Lady Annes Unterstützung der neue Verwalter. Ein Bastard? Echt jetzt?
Gefallen hat mir hingegen, wie man über die Pest und deren Entstehen nachdenkt, sowie den Schrecken der unbekannten Krankheit, die die Menschen wie Fliegen sterben lässt. Und obwohl es einige Längen gibt und vieles zu modern dargestellt wurde, konnte mich doch die Handlung größtenteils fesseln. Trotzdem wäre es besser gewesen einige Handlungsstränge zu kürzen, denn es kommen in diesem Wälzer doch einige Längen auf.
Nachdem man den letzten Seiten immer näher kommt, fragt man sich willkürlich, wie die Autorin hier noch ein logisches Ende finden will. Und die Frage ist berechtigt, denn nach fast 700 Seiten ist man alles andere als erfreut, wenn man den letzten Satz im Buch liest! Der heißt nämlich: "Fortsetzung folgt!"
Dass der Verlag kein Wort dazu verliert, finde ich nicht ganz in Ordnung und ich bin froh, dass ich das Buch aus meiner Bücherei geborgt hatte.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist der Zeit angemessen. Minette Walters erzählt ihren Roman eher ausschweifend und detailliert. Durch unterschiedliche Sichtweisen einiger Figuren kann sich der Leser gut in andere Personen versetzen
Cover:
Links und rechts ein englischsprachiges Buch, in der Mitte die niederländische Version. Irgendwie gefallen mir diese Cover fast besser, als das deutsche.
Fazit:
Ein interessanter Plot, der jedoch durch einige Längen und vorallem durch die eher unglaubwürdige Darstellung einer Frau zu dieser Zeit, stark verliert. Die sehr schwarz-weiß gemalten Charaktere und vorallem der letzte Satz im Buch: "Fortsetzung folgt!" haben mir weniger gefallen. Ob ich den Folgeband lesen werde, weiß ich noch nicht...

















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