- Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
- Verlag: Wunderlich (18. Juli 2014)
- ISBN-10: 3805208626
- ISBN-13: 978-3805208628
- Genre: Historischer Roman
gekürzte Rowohlt Kurzbeschreibung:
Frankfurt, im Jahr 1765. Die Schwestern Annmarie, Aurora und Lydia leben in ständiger Furcht, denn ihr Vater Georg Reiche wird als Kunstdieb und Kunstfälscher im ganzen Land gesucht. Da begegnet Reiche durch Zufall einem Werber aus dem großen russischen Reich. Im Auftrag von Katharina II. soll er deutsche Bürger in ihr Land holen. Endlich scheint sich für die heimatlose Familie ein Ausweg aufzutun. Doch Russlands Härte trifft sie unerwartet. An der Wolga folgen auf kalte, raue Winter heiße, staubige Sommer.
Meine Bewertung: * * *
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Ich habe hier die "Kurzbeschreibung" wieder etwas gekürzt, da meiner Meinung wieder zu viel vom Inhalt verraten wurde. Mir fällt das in letzter Zeit immer öfters auf.........euch auch?
Von Ines Thorn habe ich schon einige Romane gelesen, wobei mir "Unter dem Teeebaum" bis jetzt am Besten gefallen hat und das ich euch gerne weiter empfehle!
"Wolgatöchter" hat mich leider ziemlich zwiespältig zurückgelassen. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass die Autorin hier nur "an der Oberfläche gekratzt" hat. Die Geschichte plätschert vor sich hin und ging mir viel zu wenig in die Tiefe. Die Charaktere sind auch nicht wirklich sympathisch. Ich konnte mich mit niemand aus der Familie Reiche, die hier unsere Hauptprotagonisten sind, wirklich "anfreunden", noch mit ihnen mitfiebern. Dabei meint es das Schicksal gar nicht gut mit ihnen, denn das Familienoberhaupt, Vater Georg Reiche, wird wegen Kunstfälscherei gesucht. So zieht die ganze Familie von einem Ort zum anderen und kommt mehr schlecht als recht über die Runden.
Da kommt ein "Russlandwerber" gerade recht. Dieser versucht Georg Reiche "anzuwerben" und das Familienoberhaupt verspricht sich für seine Familie eine bessere Zukunft im fremden Russland. Denn die deutschstämmige Zarin, Katharina die Große, sucht nach Landsleuten, die die Steppengebiete an der Wolga kultivieren sollen.
Die anstrengende Reise von Frankfurt nach Saratow, das im südöstlichen Teil des europäischen Russlands, an der Grenze zu Kasachstan liegt, wurde sehr bildhaft und interessant erzählt. Der Weg ist beschwerlich und immer wieder werden Teile der Versprechungen nicht eingehalten. Es kommt zu Scheinhochzeiten, denn neuen Ehepaaren wird ebenfalls eigenes Geld und Land versprochen. So verheiratet Georg Reiche seine älteste Tochter Lydia einfach mit dem ebenfalls in eine neue Zukunft aufbrechenden Lehrer Anton. Lydia ist darüber entsetzt und fühlt sich vom Vater verraten. Sie bleibt jedoch im Buch die Vernünftigste und diejenige, die am meisten zupackt. Ich fand Lydia noch am sympathischten von der Familie.
Nach ihrer Ankunft in Saratov wird den Reiches zuerst das versprochen Haus und Land verwehrt, doch dann werden sie in ein verlassenes, jedoch komplett möblierten Haus untergebracht. Bereits auf ihrer Reise ins neue, eher unwirtliche Land, haben die Reiches von Überfällen auf deutsche Zuwanderer erfahren. Die Kalmücken, mongolische Reitervölker, sind die Schlimmsten. Schon bald erfahren sie, dass im verlassen Haus, in dem sie untergebracht sind, eine deutsche Familie von diesen überfallen und umgebracht wurde. Besonders Annemarie beginnt sich mit der damaligen Tochter Marieann zu "identifizieren" und die vorher blasse und unauffällige Annemarie beginnt sich zu verändern.
Aurora, die Jüngste, ist eine verzogene Göre, die weder mit anpackt, noch jemals zufrieden ist. Sie fühlt sich als etwas Besonderes und ihr einziges Ziel ist Reichtum und das angenehme Leben des Adels.
Die drei Mädchen sind sehr unterschiedliche Charaktere und trotzdem konnte keine so wirklich bei mir punkten. Auch der Vater, Georg Reiche, ist sich zwar seiner Unfähigkeit anzupacken bewusst und hin und wieder plagt ihm das schlechte Gewissen, trotzdem ist Ilse, seine Frau, diejenige, die vernünftig ist und die Familie zusammenhält. Irgendwie bleiben mir hier alle Figuren einfach zu blass. Die Ausnahme ist ein ehrgeiziger und verschlagener polnischer Kaufmann, der schon bald das Leben der Familie heftig durcheinander wirbelt.
Schreibstil:
Ines Thorn's Schreibstil ist angenehm zu lesen. Das Buch ist in kurze Kapitel gegliedert und gut lesbar. Man wechselt zwischen den Schicksalen und Gedanken der einzelnen Familienmitglieder hin und her. Vielleicht ist die Geschichte wegen der für einen historischen Roman eher kurzen Seitenanzahl für mich nur eine Oberflächliche geblieben......
Das Thema an sich wäre sehr interessant und habe ich in noch keinem anderen Roman vorgefunden.
Cover:
Das Cover finde ich ansprechend. Es nimmt Bezug zu Russland, die Farben sind harmonisch und das Gold gibt dem Cover einen edlen Touch.
Fazit:
Leider wurde aus dem interessanten Thema um deutsche Auswanderer nach Russland, die späteren "Wolgadeutschen", eine nur oberflächliche Geschichte mit nicht wirklich sympathischen Protagonisten. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Geschichte nur an der Oberfläche blieb....
















Sehr, sehr schönes Cover! Leider hat es ja nicht sooo gut bei dir abgeschnitten. Aber ich denke, ich werde es dennoch mal auf meine Wunschliste packen. Wer weiß? :D
AntwortenLöschenLiebe Grüße,
Nazurka
Liebe Martina,
AntwortenLöschenmit den Charakteren gebe ich dir Recht, denn normalerweise ist man von Ines Thorns Protagonisten mehr Intensität gewohnt. Ich habe es in diesem Fall aber nicht als so negativ empfunden, weil mein Interesse mehr auf die Gesamtsituation fixiert war. Mit Lydia ist es dann wenigstens einer Protagonistin gelungen, meine Sympathie zu erringen, wenn auch nicht in dem Maß wie bei älteren Thorn-Romanen, von denen ich auch sprachlich mehr Tiefe und Gefühl gewohnt war. Aber zum Thema passt die etwas "unterkühlte" Schreibweise dann doch wieder gut. Ich kann aber gut verstehen, aus welchen Gründen der Roman bei dir nur mittelmäßig abgeschnitten hat.
Liebe Grüße
Susanne