Mein Vater, der Deserteur - René Freund


    • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
    • Verlag: Deuticke Verlag (29. September 2014)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3552062564
    • ISBN-13: 978-3552062566
    • Genre: Biografie, Roman

Amazon Kurzbeschreibung: 
Paris, August 1944. Die Stadt ist von Hitlers Wehrmacht besetzt, doch die Tage der deutschen Herrschaft sind gezählt. Gerhard Freund ist achtzehn, als er zur Wehrmacht eingezogen wird; Mitte August 1944 soll seine Einheit an der Schlacht um Paris teilnehmen. Der junge Soldat erlebt die sinnlose Brutalität des Kampfes und desertiert. Er wird von der Résistance festgenommen und von amerikanischen Soldaten vor der Erschießung gerettet. Mehr als sechzig Jahre später liest René Freund das Kriegstagebuch seines verstorbenen Vaters, stöbert in Archiven, spricht mit Zeitzeugen und fährt nach Paris, auf der Suche nach einem schärferen Bild von seinem Vater – und der eigenen Familiengeschichte.

Meine Bewertung: * * * * undeinhalb

Buch zur Deutschen Autoren Challenge

Meine Meinung:
Die Aufzeichungen seines Vaters während des zweiten Weltkrieges veranlassten den Autor René Freund sich mit seiner Familiengeschichte näher auseinanderzusetzen. Bei einer sehr interesssanten Leserunde bei Lovelybooks durften wir mit dem Autor darüber diskutieren und Fragen stellen.

Gerhard Freund wurde, kurz vor seinem 18. Geburtstag, zur Wehrmacht einberufen. In seinem getippten Kriegstagebuch schreibt er seine Gedanken und Erlebnisse während dieser Zeit nieder.
Kriegsberichte gibt es einige und wer einen Vater oder einen Großvater in der Familie hat, der den zweiten Weltkrieg miterlebt hat, weiß vielleicht einige Geschichten aus dieser Zeit. Doch größenteils blieben diese Männer stumm und blieben es bis zum Tode. Filme und Tatsachenberichte runden unser Bild zum Thema ab. Wir, die Kriegsnachkömmlinge, die zwar noch immer die Last tragen dürfen, aber selbst viel zu wenig darüber wissen. Bedenkt: die Zeitzeugen aus dem letzten Jahrhundert werden immer weniger.

Mein Vater, geboren 1921, verließ die Front mit einer Verwundung im Bein. Mein Großvater und mein Onkel kamen nicht mehr nach Hause. Über den Krieg erzählte hat mein Vater kaum. Ich weiß gerade, dass er in Italien und dem früheren Jugoslawien gekämpft hat. Vor wenigen Monaten fanden wir eine alte Mandoline, die er sich, laut meiner Mutter, damals in Italien gekauft hat. Ich wusste nicht einmal, dass er darauf spielen konnte! Und so verstehe ich wirklich, dass auch René Freund mehr über seinen Vater wissen möchte und sich mit diesem schwierigen Thema auseinander gesetzt hat. Er hat im Alter von 12 Jahren seinen Vater verloren und versuchte durch seine Aufzeichnungen mehr über ihn zu erfahren. Er kannte ihn zwar als erfolgreichen Fernsehdirektor des ORF, als Freund vom früheren Bundeskanlzer Raab oder als Schauspieler. Doch der junge Gerhard Freund blieb ihm fremd. Der Junge, der gleich nach der Schule in den Krieg zog und 1944 nach Paris geschickt wird. Dort sind bereits die Tage der deutschen Wehrmacht gezählt. Der D-Day steht bevor und Gerhard verschwindet - gemeinsam mit seinem "väterlichen Freund", den er Papa nennt. Seine Erlebnisse bei der französischen Restistance und später im amerikanischen Gefangenenlager erzählt er eher emotionslos in seinen Aufzeichnungen, die sein Sohn später findet.
Geschickt vermischt der Autor dieses Kriegstagebuch seines Vaters mit seinen eigenen Recherchen. Er verbindet geschichtliche Fakten mit persönlichen Empfindungen, öffnet das Fotoalbum seiner Familie für uns Leser, spricht mit Zeitzeugen und durchstöbert Archive. Gemeinsam mit seiner Familie bereist er die Schauplätze in Frankreich. Er versucht auf den Spuren seines Vaters zu wandeln und spricht mit anderen Kriegsveteranen und Deserteuren. Gedenkplätze werden besucht und Familienmitglieder werden befragt.
Sein biografischer Roman, eigentlich eine Familiengeschichte, wie er hervorhebt, ist kein trockener Tatsachenbericht, sondern eine bunte Mischung aus schriftlichen Berichten und Auszügen seines Vaters, eigenen Interpretationen und Erlebnissen, sowie historischen Schilderungen.

Beeindruckt hat mich auch, dass es hier keine schwarz/weiß Malerei gibt. René Freund erzählt z. Bsp. auch von Dr.  Leo Müller, dem Vater seiner Mutter, der beruflich eigentlich vom Krieg profitierte, nicht eingezogen wurde und trotz allem Flüchtlinge auf seinen Bauernhof versteckte. Oder wie sich Gerhard Freund im Wald verlaufen hat und auf einen Feind traf. Beide waren des Krieges müde und verschonten sich gegenseitig. Wie anders hätte das ausgehen können?! Immer wieder hatte ich den Gedanken im Kopf, wie willkürlich oft einige Situationen ein ganzes Leben beeinträchtigt haben - besonders in Kriegszeiten!
Abschließend gibt es im Buch noch einige Worte zum Krieg generell und die immer wiederkehrende Frage: Wie hätte ich mich damals verhalten?

Fazit:
Ein sehr beeindruckendes Buch des Autors, das mich noch tagelang beschäftig hat. Der Aufbau mit den Tagebucheinträgen einerseits und den persönlichen Gedanken und Erlebnissen andererseits ist perfekt gewählt und hinterlässt somit nicht das Gefühl ein Sachbuch oder eine reine Biografie vor sich zu haben.


Ich danke dem Autor und Lovelybooks, sowie dem Deuticke Verlag für diese interessante Familiengeschichte und dem regen Gedankenaustausch!


2 Kommentare:

  1. Danke für die Buchvorstellung. :)
    Lg Lara

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  2. Huhu Martina,
    eine tolle Rezension - mich hast Du neugierig gemacht auf das Buch und es ist direkt auf meine Wunschliste gewandert!
    Liebe Grüße
    Sabine

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