- Taschenbuch: 672 Seiten
- Verlag: Knaur TB (1. Juli 2014)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3426512165
- ISBN-13: 978-3426512166
- Genre: Historischer Roman
Droemer Knaur
Kurzbeschreibung:
Selma, die Tochter eines angesehenen Zeitungsverlegers, fährt mit ihrer Familie wie jedes Jahr in die Sommerfrische nach Baden-Baden. Man genießt das elegante Ambiente, die Konzerte und Bälle. Selma hat gerade – zum Entsetzen der Mutter! – das Autofahren gelernt und wartet ungeduldig auf die Ankunft ihres Verlobten Gero. Da lernt sie bei einem Ausflug ins nahe gelegene Elsass den französischen Fotografen Robert kennen – und verliebt sich unsterblich in ihn.
Doch wir schreiben das Jahr 1913, und bald wird der Geliebte zu den Feinden zählen
Meine Bewertung: schwache * * *
Buch zur Deutschen Autoren Challenge
Buch zur Einmal um die Welt Challenge
Buch zur Weltenbummler Challenge
Meine Meinung:
Der Droemer Knaur Verlag hat mir dieses Buch der deutschen Autorin Heidi Rehn zur Verfügung gestellt. Da es schon lange vor dem Erscheinungstermin auf meiner Wunschliste gelandet ist, freute ich mich wirklich sehr, dass ich nach fast einem Jahr wieder ein Rezensionsexemplar des Verlages erhielt.
Leider hielt weder der vielversprechende Klappentext, noch die ansprechende Leseprobe das, was ich mir so unter dieser Geschichte vorgestellt hatte.
Der Schmöker ist in drei Teile aufgeteilt:
- Teil 1: Aufbruch
- Teil 2: Ausbruch und
- Teil 3: Umbruch
Dazu kommt noch jeweils ein kurzer Prolog, der zeitlich kurz vor 1913 liegt und der Einblicke in die jährliche Sommerfrische der Familie in Baden-Baden aufzeigt, und ein Epilog, der ebenfalls im Kurort nach Kriegsende spielt und die Handlung somit abschließt.
Selma lernt während der Sommerfrische im Jahr 1913 bei einer Autopanne Constanze
und ihren Vater kennen, nachdem ihr ihr Verlobter Gero sein Auto zur
Verfügung gestellt hat.Constanze wird Selmas Freundin und gemeinsam
machen sie Ausflüge ins Umland. Dabei lernen die beiden Mädchen den
charismatischen Robert kennen, in dem sich beide verlieben......
Die Geschichte spielt in der Zeit von 1913 bis 1919....eine aufregende und eine nicht sehr einfache Zeit.
Es ist der große Umbruch mit technische Neuerungen und Erfindungen, dem Wunsch von Frauen ebenfalls in Männerdomäne einzudringen, neue Musikrichtungen und Modestile entstehen. In den beiden Romanen von Petra Durst-Benning wurde z. Bsp. diese Epoche wunderbar und sehr interessant beschrieben! ("Solange die Welt noch schläft", "Die Champagnerkönigin")
Doch hier hatte ich während der fast 700 Seiten nicht sehr oft das Gefühl über diese Zeit des Umbruches, des ersten großen Weltkrieges und des Leides zu lesen!
Den Großteil der Geschichte verbrachte unsere Hauptprotagonistin Selma auf Sommerfrische im feudalen Hotel Bellevue in Baden-Baden. Dort vergnügte sie sich- vorallem im ersten Teil - mit haufenweise Sex und wilden Partys. Der Krieg fand nur im Hintergrund statt und erreichte die Oberschicht nicht wirklich....zumindest im Buch. Ich fand es etwas befremdlich im ersten Drittel so viel über Sex zu lesen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte....aber erstens erwartete ich es nicht in dieser Geschichte, noch kann ich es mir zu dieser Zeit schwer vorstellen (eher mehr in einem Buch während der "wilden" Siebziger), was sich vielleicht komisch anhört, denn Sex gibt es schon seit Menschengedenken, sonst wären wir bereits ausgestorben ;), aber Selmas Vorehesex, die Untreue mit einem anderen Mann während ihrer Verlobungszeit, homosexuelle Liebe und auch lesbische Anzeichen...das war etwas zu viel für mich, vorallem, wo doch die eigentliche Handlung sehr auf der Strecke blieb.
Selma empfand ich nicht wirklich als sympathisch. Sie war einfach nur egoistisch, verwöhnt und ihre Gedanken kreisten immer nur um sich selbst und Sex. Sogar als sie in Constanze eine wirkliche Freundin findet, nennt sie diese nur "das Küken" und behandelt sie von oben herab. Dabei studiert Constanze das Ingenieurswesen und arbeitet in der Fabrik ihres Vaters, liebt Autos und Motoren; während Selma, wie viele aus der Oberschicht gar nichts macht, außer auf die gepante Heirat zu hoffen. In den mehr als sechshundert Seiten wandelt sich aber auch Selmas Charakter etwas, auch wenn ich ihr plötzliches "Ich muss etwas bewirken" nicht ganz abnahm.
Mit den Großteil der Hauptcharaktere wurde ich nicht wirklich warm. Gero, ihr Verlobter, ist ein Weichei und charakterschwach. Grischa, ihr Bruder, überlebt den Krieg schwer verwundet und blieb mir trotzdem fremd. Robert, der französische Fotograf, war mir zu eingebildet und Selmas Eltern zu blass und nichtssagend. Einzig Constanze, fand ich sehr sympathisch und stark, ebenso Meta, Selmas Großmutter, eine Emanze, Autorin und Pazifistin. Der Roman hat leider etliche Längen und wird erst zum Schluss hin etwas dramatischer, bevor sich wieder alles in Wohlwollen auflöst.
Schreibstil:
Heidi Rehn schreibt sehr ausschweifend und bildhaft. Man kann ohne weiteres 2-3 Seiten nur über eine Landschaftsbeschreibung lesen oder etwa genausoo über die technischen Feinheiten des neuersten Automobils oder dem letzten Modeschrei. Die Sätze sind lang und detailreich, aber sehr bildhaft und das Kopfkino rattert nur so im Kopf ;)
Cover:
Das Cover finde ich sehr ansprechend. Man hat das Gefühl der Leser hat hier Selma vor sich, die vor dem Hotel und dem neuersten Automobild posiert, genauso wie in der Geschichte beschrieben.
Fazit:
Die Hälfte an Seiten und mehr geschichtlicher Inhalt wäre meiner Meinung nach besser gewesen. Für mich war das leider nicht das erwartete Kriegsdrama mit Familiengeschichte, sondern ein Buch mit etlichen Längen und unsympathischen Charakteren. Leider konnte mich diese Geschichte nicht wirklich überzeugen.
Wer gerne noch etwas mehr über die Geschichte und die Autorin wissen will....hier geht es zum Interview der Autorin Heidi Rehn bei Dromer Knaur zum Buch:
http://www.droemer-knaur.de/leselounge/8176724/heidi-rehn-im-interview-zu-sommer-der-freiheit
Für die Bereitstellung des Rezensionsexamplares möchte ich mich ganz herzlich beim Verlag
bedanken!